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<title>Indienne</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Indienne</span></h1>
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<p>Mit <b>Indienne</b> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Franz%C3%B6sische_Sprache" title="Französische Sprache">französisch</a></span> <span lang="fr-Latn" style="font-style:italic"><i>Indienne</i></span> ‚Indisch‘; englisch <i>Indianshirting</i>, früher auch <i>Druck<a href="Perkal" title="Perkal">perkal</a></i> oder <i>Zitz</i>) bezeichnet man ein ursprünglich mit indisch-exotischen Motiven handbemaltes, später industriell bedrucktes <a href="Kattun" title="Kattun">Kattungewebe</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Das Bemalen von <a href="Baumwolle" title="Baumwolle">Baumwollstoffen</a> wurde in <a href="Indien" title="Indien">Indien</a> seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. entwickelt und verlangte sowohl hohe künstlerische Fertigkeiten als auch ein sehr spezialisiertes technisches Wissen im Umgang mit den verwendeten Farben.
Kaufleute aus <a href="Holland" title="Holland">Holland</a>, <a href="D%C3%A4nemark" title="Dänemark">Dänemark</a>, <a href="England" title="England">England</a><sup id="cite_ref-Brockhaus_1_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Brockhaus_1-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und <a href="Portugal" title="Portugal">Portugal</a> führten die Ware in Europa im 17. Jahrhundert ein. Im kulturell führenden Frankreich bekamen die indischen Stoffe (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Franz%C3%B6sische_Sprache" title="Französische Sprache">französisch</a></span> <span lang="fr-Latn" style="font-style:italic"><i>toiles indiennes</i></span>) ihren Namen. Dort fanden sie als Luxusgut dekorative Verwendung als Überzüge für Sitzmöbel oder als Tapeten.
Ihre große Beliebtheit verdankten die bunten Baumwollgewebe der Tatsache, dass sie trotz ihrer Farbenpracht sehr viel pflegeleichter als <a href="Seide" title="Seide">Seide</a> waren. Zudem boten sie bei einem relativ günstigen Preis einen höheren Tragekomfort als zum Beispiel <a href="Flachsfaser" title="Flachsfaser">Leinen</a>. Hinzu kam die in dieser Zeit in Europa aufkommende und sich bis Ende des 18. Jahrhunderts haltende Vorliebe für <a href="Chinoiserie" title="Chinoiserie">chinoise</a> Dessins oder für Chinoiserien generell.
</p><p>Durch die Entwicklung der <a href="Textilindustrie" title="Textilindustrie">Textilindustrie</a> in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wuchs auch die Nachfrage nach preiswerten <a href="Tuch" title="Tuch">Tuchen</a>, vor allem für <a href="Sch%C3%BCrze" title="Schürze">Schürzen</a> sowie einfache Haus- und <a href="Kinderkleidung" class="mw-redirect" title="Kinderkleidung">Kinderkleidung</a>.
Mit dem Ausbau der industriellen <a href="Baumwolle" title="Baumwolle">Baumwollverarbeitung</a> und der Verfeinerung maschineller <a href="F%C3%A4rben" title="Färben">Färbetechniken</a> entstanden Indienne-<a href="Manufaktur" title="Manufaktur">Manufakturen</a> in Europa.<sup id="cite_ref-Brockhaus_1_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Brockhaus_1-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die erste Fabrikationsstätte eröffneten <a href="Armenien" title="Armenien">armenische</a> Kaufleute 1640 in <a href="Marseille" title="Marseille">Marseille</a>, England und Holland folgten in den 1670er Jahren. Zudem passte man die Motive mehr dem europäischen Geschmack an: So tauchten europäische Pflanzen in indischen Szenerien auf. Bis in die 1790er Jahre kamen die meisten Indiennes aus Indien.
</p><p>Besonders in Frankreich verspürten die traditionellen Produzenten und Lieferanten von (Seiden-)Stoffen und Kleidern allmählich erhebliche Geschäftseinbußen durch das neue Massenprodukt.
Auf ihr Drängen hin veranlasste <a href="Ludwig_XIV." title="Ludwig XIV.">Ludwig XIV.</a> die Protektion der französischen Textilindustrie, die vor allem auf die Produktion von Seidenwaren ausgerichtet war, und ließ 1686 die Produktion und den Import von Baumwollstoffen verbieten.<sup id="cite_ref-Schopfer_1_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Schopfer_1-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In England wurde der Import von <i>indiennes</i> 1721 verboten, das Tragen von Baumwollstoffen von 1701 bis 1774, aber 1736 stellte der <i>Manchaster Act</i> klar, daß sich das Verbot, Leinen und Baumwolle zu tragen, nicht auf im Inland hergestellte Stoffe bezieht. 1774 verfügte das Parlament erneut, daß in England ausschließlich Bauwollstoffe verkauft werden dürfen, die im Inland gesponnen und gewebt worden waren.
Dies bewirkte einerseits einen zunehmenden <a href="Schwarzmarkt" title="Schwarzmarkt">Schleichhandel</a> mit den weiterhin begehrten, weil billigeren Indiennes und anderseits den Aufbau einer Indiennes-Wirtschaft in den französischen Nachbarstaaten.
In der Schweiz arbeiteten Ende des 18. Jahrhunderts achttausend bis zehntausend Menschen in den Indiennes-Betrieben. Die größten Fabriken zählten mehrere hundert Beschäftigte, meist nur Saisonarbeiter, da Bleichen und Trocknen unter freiem Himmel im Winter nicht möglich war. Das mittlerweile ringsum aufgebaute Fachwissen führte nach der Öffnung des französischen Markts im Jahr 1759<sup id="cite_ref-Schopfer_1_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-Schopfer_1-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> dazu, dass in Frankreich massenhaft ausländisches Leitungspersonal arbeitete.
</p><p>So gründete <a href="Christophe-Philippe_Oberkampf" title="Christophe-Philippe Oberkampf">Christophe-Philippe Oberkampf</a> 1759 in <a href="Jouy-en-Josas" title="Jouy-en-Josas">Jouy-en-Josas</a> die größte und bedeutendste französische Fabrik für bedruckte Stoffe im Indienne-Stil. Die Fabrik, zeitweise die größte Europas, überstand die Wirren der <a href="Franz%C3%B6sische_Revolution" title="Französische Revolution">Französischen Revolution</a> und der
<a href="Koalitionskriege" title="Koalitionskriege">Napoleonischen Kriege</a> und wurde erst 1843 geschlossen. Bis heute ist <i><a href="Toile-de-Jouy" title="Toile-de-Jouy">Toile-de-Jouy</a></i> in Frankreich ein Synonym für Indiennes.
Im deutschsprachigen Raum entstanden in <a href="Konstanz" title="Konstanz">Konstanz</a> und im Schweizer Kanton <a href="Aargau" class="mw-redirect" title="Aargau">Aargau</a> erste Indienne-Manufakturen.
<a href="Genf" title="Genf">Genfer</a> Unternehmer, die 1782 vor der <a href="Patrizier" title="Patrizier">patrizischen</a> <a href="Konterrevolution" title="Konterrevolution">Konterrevolution</a> geflohen waren, betrieben während ihres <a href="Exil" title="Exil">Exils</a> in <a href="Konstanz" title="Konstanz">Konstanz</a> im ehemaligen Inselkloster eine Indienne-Fabrikation. Im <a href="Kreuzgang" title="Kreuzgang">Kreuzgang</a> des heute als Hotel dienenden Gebäudes ist dazu eine <a href="Wandmalerei" title="Wandmalerei">Wandmalerei</a> zu sehen.
In der Gegend um <a href="M%C3%B6riken-Wildegg" title="Möriken-Wildegg">Möriken-Wildegg</a> in der Schweiz hatten sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zahlreiche Kattundruckereien angesiedelt. Das Unternehmen <i>Laué & Cie</i> betrieb noch im 19. Jahrhundert eine Indienne-Manufaktur.
Ein weiteres Zentrum der europäischen Indienne-Produktion im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert war das Gebiet um den <a href="Neuenburgersee" title="Neuenburgersee">Neuenburgersee</a> und den <a href="Bielersee" title="Bielersee">Bielersee</a>, so die <a href="Indiennemanufaktur_Biel" title="Indiennemanufaktur Biel">Indiennemanufaktur Biel</a>. Insbesondere im damaligen <a href="Kanton_Neuenburg" title="Kanton Neuenburg">Fürstentum Neuenburg</a> bestanden mehrere große Indienne-Manufakturen.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die größte Verbreitung erlangten die Indiennes in den 1780er Jahren, als sie auch für weite Teile der Bevölkerung erschwinglich wurden. Sie waren Teil eines globalisierten Handels: Indische Arbeiter stellten Massenware für den europäischen Markt her, da europäische Produktionsmethoden in Indien Fuß fassten. Baumwolle und Baumwolltücher wurden aus Asien und Amerika nach Europa transportiert. Nicht zuletzt dienten die fertig gestellten Indiennes als Tausch- und Handelsware im <a href="Atlantischer_Dreieckshandel" title="Atlantischer Dreieckshandel">atlantischen Dreieckshandel</a>.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auch heute kommen die besten Indienne-Stoffe aus Frankreich. Das Zentrum der Produktion liegt in <a href="Rouen" title="Rouen">Rouen</a>. Eine Besonderheit war Indienne aus <a href="Marseille" title="Marseille">Marseille</a>, das – mit aus <a href="F%C3%A4rberkrapp" title="Färberkrapp">Krapp</a> gewonnenen Naturfarben gefärbt – ausschließlich in Rottönen gehalten war. Ein weiteres Zentrum der Indienne-Herstellung mit großblumigen Mustern und Szenen aus der <a href="Mythologie" title="Mythologie">Mythologie</a> war <a href="Nancy" title="Nancy">Nancy</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Kaliko" title="Kaliko">Kaliko</a></li>
<li><a href="Zeugdruck" class="mw-redirect" title="Zeugdruck">Zeugdruck</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Pierre Caspard, Matthieu Péry: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/013962"><i>Indiennes.</i></a> In: <i><a href="Historisches_Lexikon_der_Schweiz" title="Historisches Lexikon der Schweiz">Historisches Lexikon der Schweiz</a></i>.</li>
<li><a href="Kim_Siebenh%C3%BCner" title="Kim Siebenhüner">Kim Siebenhüner</a>: <i>Zwischen Imitation und Innovation. Die schweizerische Indienne-Industrie im 18. Jahrhundert.</i> In: <i><a href="WerkstattGeschichte" title="WerkstattGeschichte">WerkstattGeschichte</a>.</i> Nr. 74, 2017, S. 7–27 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://werkstattgeschichte.de/wp-content/uploads/2019/09/WG_74_007-027_SIEBENHUENER_IMITATION.pdf">pdf</a>).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Indienne" class="extiw external" title="wikt:Indienne">Wiktionary: Indienne</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.musee-impression.com/gb/collection/indiennes.html">Musée de l’Impression sur Etoffes Mulhouse (Stoffdruckmuseum in Mülhausen/Elsass)</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-Brockhaus_1-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Brockhaus_1_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Brockhaus_1_1-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text"><cite style="font-style:italic">Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon</cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>2</span>. Leipzig 1838, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>587</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeno.org/nid/20000837466">online</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Indienne&rft.btitle=Brockhaus+Bilder-Conversations-Lexikon&rft.date=1838&rft.genre=book&rft.pages=587&rft.place=Leipzig&rft.volume=Band+2" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-Schopfer_1-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Schopfer_1_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Schopfer_1_2-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">H. Schöpfer: <cite style="font-style:italic">Geschichte der Tapetenfabrikation in Frankreich</cite>. In: <cite style="font-style:italic">Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte</cite>. 1990, <a href="Internationale_Standardnummer_f%C3%BCr_fortlaufende_Sammelwerke" title="Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke">ISSN</a> <span style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%220044-3476%22&key=cql">0044-3476</a></span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Geschichte-der-Tapetenfabrikation-in-Frankreich/1988017128124">online</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Indienne&rft.atitle=Geschichte+der+Tapetenfabrikation+in+Frankreich&rft.au=H.+Sch%C3%B6pfer&rft.date=1990&rft.genre=journal&rft.issn=0044-3476&rft.jtitle=Zeitschrift+f%C3%BCr+schweizerische+Arch%C3%A4ologie+und+Kunstgeschichte" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.seebutz.ch/images/Die%20IndienneDr03.pdf">Ingrid Ehrensperger: <i>Die Indienne-Druckerei im Drei-Seen-Land im 18. und 19. Jahrhundert</i></a>; Pierre Caspard: <i>Au temps des Indiennes: Neuchâtel au milieu du monde</i> in: Elisabeth Crettaz-Stürzel und Chantal Lafontant Valloton: <i>Sa Majesté en Suisse</i>, Neuchâtel 2013, ISBN 978-2-940489-31-2, S. 252</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Gilles Forster: <i>Les indiennes de traite: une contribution neuchâteloise à l'essor del'économie atlantique</i> in: Elisabeth Crettaz-Stürzel und Chantal Lafontant Valloton: <i>Sa Majesté en Suisse</i>, Neuchâtel 2013, ISBN 978-2-940489-31-2, S. 270</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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